04 Sozialwissenschaftliche Daten

Einführung in die quantitativen Forschungsmethoden

Quiz zu letzter Sitzung

Quiz Link

Quiz Link2

Arten sozialwissenschaftlicher Daten

Arten sozialwissenschaftlicher Daten

  • amtliche Daten
    • z.B. Bevölkerungsstatistik, Wirtschaftsdaten, …
  • Umfragedaten
    • Befragungen zu verschiedenen Themen durch Umfrageinstitute
  • Rohdaten
    • z.B. Pressemitteilungen, social media posts, Wahlplakate, …
  • Tracking Daten
    • z.B. Konsumdaten, digital trace data, social media Daten

Besonderheiten von Umfragedaten

Umfragedaten: Grundlagen

  • Pew Video
  • Befragung einer repräsentativen Stichprobe - d.h. einer Teilgruppe, die in ihren Charakteristiken der Bevölkerung entspricht
    • Bevölkerung / Population ↔︎ Stichprobe
    • häufig durch Zufallsstichprobe (randomisiert) oder mithilfe von Quoten
    • Gewichtung von Antworten
  • Erhebung durch Befragung
    • z.B. Umfragen per Telefon, Fußgängerzone, Hausbesuch, self-completion Fragebogen, …
    • der Umfragemodus hat einen Einfluss auf die Repräsentativität

Umfragedaten

Welche möglichen Besonderheiten von Umfragedaten als Befragungsdaten fallen Ihnen ein?

Im Vergleich z.B. zu amtlichen Statisiken, (physikalischen) Messungen, …

Subjektivität und mentale Abkürzungen

  • Menschen haben häufig Schwierigkeiten Fragen zu Fakten oder Sachverhalte richtig zu beantworten
    • Vergessen (z.B. mit zeitlichem Abstand)
    • z.B. Platz in der Einkommensverteilung
    • z.B. unterschiedliche Bewertungen eines Zustands
    • z.B. Präferenz für ‘runde’ Antworten

Subjektivität und mentale Abkürzungen

Beispiel: Schätzungen von Bevölkerungsanteilen

Subjektivität und mentale Abkürzungen

  • Menschen interpretieren Fragen unterschiedlich oder widmen ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit
    • zweideutige Begriffe in Fragen
    • ‘cues’ in Fragestellungen führen teilweise zu ‘mentalen Abkürzungen’
    • siehe Schnell (2019), Kapitel 2 zu den psychologischen Grundlagen des Interviews
      • wir sprechen darüber auch noch einmal in der letzten Sitzung

Soziale Situation der Befragung

  • mögliche Messfehler durch soziale Erwünschtheit
    • z.B. Wahlbeteiligung und Wahlverhalten

Soziale Situation der Befragung

  • Situation der Befragung (& Umfragemodus) machen einen Unterschied für soziale Erwünschtheit! (z.B. Valentim 2021)
    • Fragestellung
    • Verhalten des Interviewers
    • self-completion vs. Interview
    • Fragetechniken

Zeitgebundenheit

  • Abbild des Zeitpunkts der Erhebung
  • und nicht rückwirkend erhebbar

z.B.: Steiner et al. (n.d.) zeigen, dass Studierende nach der russischen Invasion in der Ukraine

  • pro-europäischer
  • interessierter an europäischer Politik und
  • überzeugter von den Vorteilen der EU für ihr Land

sind.

Unvollständigkeit

  • Umfragen enthalten oft (viele) fehlende Observationen
    • z.B. weil Fragen unverständlich sind
    • z.B. weil Themen unangenehm sind
  • welche Werte fehlen ist häufig kein Zufall
    • z.B. soziale Erwünschtheit für bestimmte Antwortkategorien (Wahlentscheidung, sexuelle Orientierung, …)

Unvollständigkeit

z.B.: Wer gibt die Parteipräferenz nicht an?

→ Wir werden dem Problem des Umgangs mit fehlenden Daten immer wieder begegnen

Schwächen von Umfragedaten

Umfragedaten - als Selbstauskunft in einer bestimmten sozialen Situation - haben Schwächen, die wir kennen sollten

  • Subjektivität
  • Aufmerksamkeit / mentale Abkürzungen
  • Soziale Erwünschtheit
  • Zeitgebundenheit
  • Unvollständigkeit

Aber: Gestaltungsmöglichkeiten

Umfragen bieten thematisch viele Möglichkeiten:

  • für Nutzer:innen: umfassendes Spektrum an potenziellen Themen im Vergleich zu z.B. Zensus-Daten
    • …wenn jemand die Daten bereits erhoben hat
    • …solange es ein valides Instrument gibt
  • für Umfrageforscher:innen: Forschung zur Umfragegestaltung
    • z.B. Frageformulierung mit Pre-Tests, Eyetracking, …
    • z.B. Umfragemodi

Arten von Fragen

Offene und geschlossene Fragen

  • Offene Fragen: Fragen ohne vorgegebene Antwortkategorien → Aufzeichnung der Antwort

Vorteile

  • mehr Information
  • Interpretation der befragten Person

Nachteile

  • schwierige Analyse mit standardisierten Methoden
  • Antworten geben nicht immer die gewünschte Information
  • Gegenstück: geschlossene & halboffene Fragen
    • Vorgabe aller oder einiger Antwortkategorien

Variablen

  • Fragen können sich aber auch in der Art der Information unterscheiden
    • z.B. Wie alt sind Sie? ↔︎ Zu welcher Generation gehören Sie?
  • Die Art der Frage bestimmt die Skala der Variablen, die wir anschließend messen
    • die Skala bestimmt welche Berechnungen wir anstellen können

Variablen